Mountainboard BX SERBIA 2010

Die Hinfahrt

Donnerstag Abend wurde sich am Bahnhof in Würzburg getroffen (Torben und ich hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 3 1/2h Zugfahrt von Siegen an im Hintern) und die Sachen ins Auto gepackt. Mit zwei Boards auf dem Dach, jeder Menge Red Bull für die Fahrt über Nacht und einem treuen Navi ging es über Österreich und Ungarn Richtung Serbien – ca. 1200km Strecke, was ungefähr 13 Stunden sind.

Am meisten Bammel hatten wir im Vorfeld vor der Grenzüberschreitung von Ungarn nach Serbien und so stieg auch im Grenzbereich der Ruhepuls an, was sich jedoch wegen des gut gelaunten Grenzpostens und der lustigen Beschreibung von Christian (Frage: “Was macht Ihr in Novi Sad?” Antwort: “Wir nehmen die Boards [zeigt auf das Dach] und stürzen uns damit Berge herunter!”) kein Problem gewesen ist.

Nach Frühstückspause mit frischen Eiern (Dank’ Koch Christian) und Kaffee (Dank’ Kaffeemaschine Jo Mo) starteten die ersten Kilometer auf serbischen Holperbahnen mit viel Gelächter, weil wir an einer langen Baustelle neben der Autobahn zwar viele Arbeitsgeräte & Co. gesehen haben, aber genauso viele Arbeiter, die fröhlich in den Morgen am Chillen gewesen sind. So wie wir: Bloß kein Stress.

Christian als Fahrer auf serbischem (übrigens sehr mediterranem) Gelände hatte sich schnell an den Fahrstil der Serben und deren Überholstil (einfach fahren, der Rest weicht schon aus) angepasst, sodass wir auch flott in Novi Sad angekommen sind. Dort mussten wir uns zunächst telefonisch bei Predrag (manche kennen ihn von den German Open) schlau machen, wohin die Reise eigentlich geht und er holte uns fröhlich auf seinem Fahrrad ab – damit war man in der Stadt genauso schnell wie mit dem Auto.

Zuerst sollten wir die Strecke vom Boarder-X-Event kennenlernen und so verabschiedeten wir uns durch die Rush Hour in Novi Sad (400.000 Einwohner) Richtung Außenland und befanden uns plötzlich in völlig anderer Umgebung mit einfachen Bauernhäusern sowie Schlaglöchern mit Namen wieder. Genauso krass war allerdings auch der Unterschied sich einige Höhenmeter über der Stadt zu befinden, da wir um uns herum nicht nur Felder, sondern auch dichten Wald und natürlich die gebaggerte Strecke sehen konnten.

Die Strecke

Bei der ersten Begehung der Strecke trafen wir schon auf die drei Jungs aus Polen und jeder war sich sofort eins im Klaren: “Diese Strecke erfordert ordentlich’ Eier!”. Staubtrockener Lehmboden sollte uns auf der ca. drei Meter breiten Strecke die 700 Meter (wir glauben, dass es länger war) wohl an die Grenzen des Mutes bringen, da man nicht nur eine ziemliche Geschwindigkeit bekam, sondern manche Kurven eher niedrige Steilkurven besaßen – dahinter wartete der wilde Busch mit kostenlosen Tattoomöglichkeiten und tiefen Löchern, da dort die Erde rausgebuddelt worden ist.

Wir tasteten vom Starthügel mit Wellensektion über eine querende Straße erst noch zaghaft, dann immer mutiger und schneller die Kurven bergab und das Lächeln im Gesicht passte zum Sonnenschein, der in Serbien allerdings noch richtig Dampf hatte (Spätsommer olé) – so waren wir auf dem Weg nach oben jeweils immer schöööön einmal durch.
Immer mehr Boarder aus Rumänien, Bulgarien, Tschechien und sonstigen Ländern trafen ein und nach dem ersten gemeinsamen “Hallo” und einigen Testrunden wurde klar, dass das Fahrerfeld auch nicht von schlechten Eltern ist und der Wettbewerb spaßig werden sollte.

Gastfreundschaft der Serben

Zunächst wurde gemeinsam Richtung Apartments gedüst (wir äh.. haben ein wenig länger gebraucht [in Novi Sad kannte das Navi nur die Hauptverkehrsstraße, wo wir uns allerdings nicht befanden :D]), welche richtig gut und gemütlich eingerichtet waren – und wir trafen sofort auf eine Eigenschaft der Serbier, welche noch öfters in Erscheinung treten sollte: “Gastfreundschaft”.

Nicht nur die Tatsache, dass der Werkstattmeister (die Werkstatt befand sich unter den Zimmern) seinen Lagerraum sofort für das Lagern der Boards zur Verfügung gestellt hatte, nein: Die Serben hatten als Empfang ein großes Essen (inklusive Bier und Schnaps :D) organisiert, welches mit über 16 Boardern in einem Bus besucht worden ist. Spätestens jetzt kannte man sich untereinander und mit der englischen Sprache, die fast jeder gut beherrschte, konnte man sich gut und viel unterhalten – der Einstieg in Serbien war perfekt.

Der Samstag begann für manche mit Kopfschmerzen und für den Rest mit einem großen Frühstück im Haus von Boba (auch bekannt von den German Open), wo seine Frau und das Team “Novi Sad” sich jede Menge Mühe gegeben haben, alle Jungs und Mädels ausreichend mit Getränken und Essen zu versorgen – was ein geiler Start in den Tag! Langsam meldete sich das deutsche Gewissen mit der Nachfrage, wo man denn etwas für das Essen/Trinken bezahlen sollte, aber die Serben wollten keinen Cent dafür haben (was übrigens für das gesamte Essen/Trinken am Wochenende zählen sollte). Da war sie wieder, die serbische Gastfreundschaft.

Boarder-X

Dann wurde sich an der Strecke getroffen, ein paar Testläufe absolviert und festgestellt, dass sich der morgendliche Nebel auf die Umgebung und somit auf die Strecke gelegt hatte. Kein Staub, sehr griffiger Boden und noch weniger Möglichkeiten zu Bremsen – top. Diese sollte sich im Laufe des Tages jedoch ändern, da die Strecke knochenhart und sauschnell wurde.
Die Zeitläufe verlangen schon EIER und die Zeiten aller Boarder waren stark, wobei keiner an Christian vorbei gekommen ist, welcher sich die schnellste Zeit sicherte. Die Zeitläufe gaben bei diesem Event jedoch keine Punkte wie bei den German Open, sondern bestimmten einfach nur die Zusammensetzung der sechs ersten Läufe vom Boarder-X (23 männliche, 2 weibliche Starter) mit vier Boardern – ja, genau. Vier Boarder auf dieser Strecke! Wir dachten am Anfang einfach nur “Was zur Hölle?”, da die Strecke ungefähr halb so breit ist wie in Willingen, aber schon nach dem ersten Lauf und erfreulichem Ausgang für das deutsche Team war es wieder zu sehen – das Lächeln im Gesicht, da Nervenkitzel pur.

Selbst technische Ausfälle wie platte Reifen oder verbogene MBS Light-Achsen (bei Stefan und mir – beide mit dem Pro 100 unterwegs – passiert) konnten durch spontane Hilfsbereitschaft nichts an der Weiterfahrt ins Halbfinale ändern. Dort mussten sich Jo Mo und ich nach einem dreckreichen Rennen (siehe Video unten) geschlagen geben, wobei Stefan und Christian bis ins Finale durchgekommen sind – Torben hatte sich bereits nach dem Vorlauf auf die netten Burn-Ladies konzentriert :P. Dort musste sich Stefan nur einem wirklich stark fahrendem Polen geschlagen geben und landete auf Platz 2! Christian konnte seinen Raketen-Modus (er hat auf einer langen Geraden einfach soooo an Ende gewonnen, verrückt!) zwar nutzen, stürze jedoch nach einer Kurve und nahm dafür den verdienten vierten Platz mit nach Hause!

Mittlerweile hatten sich neben dem Bürgermeister,TV-Teams, Redbull-Ladies und zudem die oben genannten Burn-Ladies auch jede Menge Zuschauer bei dem Event eingetroffen und feierten die Gewinner mit den Fahnen aller teilnehmenden Nationen im Hintergrund – ein schönes Bild!

und dannach…

Nach einer schönen Siegerehrung ging es zurück zum Duschen und zur After-Party mit serbischem Gulasch, welches bei allen Boardern für Feuer im Mund gesorgt hat und passend dazu Schnaps, welcher wirklich ALLES im Mund weggebrannt hat :D Meine Güte!
Der Abend wurde zeitlich zum vielen Reden über das Mountainboarden (Wusstet Ihr, dass es in Polen über 1400 aktive Mountainboarder gibt?), die Szene und Ihre Entwicklung und sonstige Themen gequatscht, aber zudem auch der Geburtstag von einem Boarder gefeiert, der mit einem großen Geburtstagskuchen überrascht wurde – tolle Aktion und Sinnbild dafür, dass es nicht nur einfach ein Event ist, sondern vielmehr das Treffen einer Familie, in der man schnell aufgenommen wird.
Stefan und ich hingen an dem Abend irgendwie noch müde in den Seilen und der Rest hat noch ein paar Bier mehr getrunken, aber insgesamt eher kein wilder Wilddieb-Modus ;)

Der Sonntag startete mit Ausschlafen, einem weiteren großartigen Frühstück bei Boba und Verabschiedungen von allen Boardern. Für uns stand jedoch dank eines Freundes von Christian noch eine Stadtführung in Novi Sad (nachdem der Regen zum Glück aufgehört hatte) auf dem Programm, welche ein weiteres anderes Bild vom Leben in Serbien gegeben hat, da die Altstadt nicht nur wunderschön ist, sondern auch die alte Zeit vor dem Krieg widerspiegelt. Als Abschluss ging es auf die Festung von Novi Sad, welche auf einem Berg über der Stadt mit Blick auf den riesigen Fluß und die gesamte Stadt liegt und so konnten wir in edler Umgebung dank Stefan ein seeeeehr leckeres Abschlussteamessen erleben und gestärkt die Rückreise Richtung Heimat antreten, wo wir am frühen Montagmorgen am Bahnhof in Würzburg eingetroffen sind.

Insgesamt sind wir uns alle einig, dass man noch eine Weile braucht, um alle Erlebnisse und Eindrücke aus Serbien verarbeiten zu können, aber eine Sache ist bereits jetzt schon klar: Wir werden nächstes Jahr wieder am Start sein und vielleicht sogar probieren, am 1. Mai nach Rumänien zu fahren (die Einladung steht).

Bilder

Diese werden aktuell noch reichlich bei Facebook ausgetauscht, daher kann ich hier nur die Links posten (und teilweise muss man mit den Leuten befreundet sein)

Bilder vom Streckenbau
Offizielle Bilder vom Event
Bilder der Rumänen
Bilder vom Event 2
Gemischte lustige Bilder

Videos

Einer der Freunde hatte eine Helmkamera dabei, die Videos dazu findet man hier:


Vorrunde mit Boba (ganz links), dem späteren Gewinner (zweite von links) & vielen Stürzen


Erstes Halbfinale mit Bergair (ganz links) und Stefan (ganz rechts)


Zweites Halbfinale mit Jo Mo und mir, wobei wir hier eher Dreck gefressen haben :P


Das Finale mit Bergair und Stefan

Die Videos kann man unter dem folgenden Link auch in HD-Qualität runterladen :)
Die restlichen Videos als Download (einfach rechte Maustaste in der Übersicht und Ziel speichern unter)

Atze Bender (flashfabrixx)

 
4 Kommentare
 

Stefan
11. Oktober 2010 | 18:57

Sehr schön geschrieben Marcel …. :) !



Thomas
17. November 2010 | 20:24

sieht nach mächtig spass aus auf den videos :)



Marcus
2. März 2012 | 16:20

Wow, super Videos und klasse Bericht! ;) Sieht in der tat nach mächtig Spaß aus =)



Snizzl
1. April 2013 | 20:58

fahrt ihr wieder hin würde nämlich gerne mitfahren :D